DREHBUCH UND DRAMATURGIE – WICHTIGE BEGRIFFE VON A - Z
- 19. Februar 2025
Ob Newbie oder Profi – ein gutes Verständnis von Dramaturgie und formalen Standards kann den entscheidenden Unterschied machen. In diesem Glossar findest du die wichtigsten Begriffe von A bis Z kompakt erklärt.
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A
Akt
Größere narrative Einheit eines Drehbuchs, klassischerweise in drei Akte unterteilt (Exposition, Konfrontation, Auflösung)
Aktionstext
Beschreibung der sichtbaren Handlung, Umgebung und Aktionen der Figuren im Drehbuch
Anstoß
Auslösendes Ereignis bzw. Inciting Incident, das die Handlung in Gang setzt und den Protagonisten aus seiner gewohnten Welt reißt
Antagonist
Hauptwidersacher des Protagonisten, der dessen Ziel behindert und für Spannung sorgt
Archetypen
Urfiguren, die immer wieder in Geschichten auftreten (z. B. der Held, der Mentor, der Schatten, der Trickster)
Arthouse
Kunstfilme mit experimentellem Stil, tiefergehender Thematik und abseits des Mainstreams
B
Backstory
Vorgeschichte einer Figur, die ihr Verhalten und ihre Entscheidungen beeinflusst
Beatboard
Visuelle Darstellung der wichtigsten Handlungspunkte (Beats) eines Drehbuchs zur besseren Strukturierung
Bedürfnis (Need)
Innerer Antrieb oder verstecktes Defizit einer Figur, das sie im Verlauf der Handlung oft erst erkennt; universell, aber essentiell für die Figur (z. B. Nähe zulassen, Freiheit, Selbstbestimmung, Anerkennung, Stabilität, Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen)
Breakdown
Eine meist tabellarische Übersicht der Drehbuchszenen mit Kurzbeschreibungen
C
Character-driven
Geschichten, bei denen die Figurenentwicklung im Fokus steht, statt die äußere Handlung, z. B. in Serien
Cliffhanger
Dramatisches, offenes Ende einer Szene oder Episode/Folge, das Spannung erzeugt und zum Weiterschauen motiviert
Coming-of-Age
Meist ein Begleitgenre von Drama, Comedy, Fantasy oder Horror, bei dem Kinder oder Jugendliche als Hauptfiguren im Mittelpunkt stehen, die durch Erfahrungen und Selbstfindung langsam erwachsen werden und ihren Platz in der Welt finden
CONT’D
Hinweis im Drehbuch beim Dialog, wenn eine Figur direkt weiterspricht, nachdem eine Handlung sie kurz unterbrochen hat
D
Dialog
Gesprochene Zeilen der Figuren im Drehbuch, die die Handlung vorantreiben und die Stimme der Figuren definieren
Dramaturgie
Technik und Lehre von der Strukturierung und Inszenierung einer Geschichte, damit Handlung, Thema und Prämisse wirkungsvoll aufeinander abgestimmt sind
Dramedy
Genre-Mix aus Drama und Comedy, das ernste Themen humorvoll verpackt
E
Ellipse
Auslassung von Ereignissen oder Zeiträumen, um die Geschichte effizienter zu erzählen
Ensemble
Geschichten mit mehreren Hauptfiguren, die oft gleichwertige Handlungsstränge haben
Erzählzeit vs. erzählte Zeit
Unterschied zwischen der Dauer des Erzählens der Geschichte (z. B. Film dauert 2 Stunden) und der Zeitspanne, die innerhalb der Handlung vergeht (z. B. Handlung erstreckt sich auf 10 Jahre)
Exposé
Eine prosahafte Zusammenfassung eines Drehbuchs mit Fokus auf Story, (Haupt-)Figuren und Thema; die Länge variiert von drei bis hin zu fünfzehn oder sogar zwanzig Seiten
Exposition
Einführung in Figuren, Schauplätze und die Welt der Geschichte, oft in den ersten Szenen
F
Fallhöhe
Die Spanne zwischen der sozialen, materiellen oder emotionalen Ausgangslage einer Figur und den möglichen Konsequenzen für sie durch den Konflikt
Figurenbogen
Emotionale Entwicklung der Figuren über die Handlung hinweg, die deren innere und äußere Veränderungen aufzeigt; z. B. Motivation, Ziel (Want), Bedürfnis (Need)
Fish out of Water
Eine Erzähltechnik oder Trope, bei der eine Figur in eine ungewohnte Umgebung versetzt wird und sich dort zurechtfinden muss; die Dynamik schafft natürliche Konflikte, Humor oder Drama
G
Genre
Kategorie einer Geschichte (z. B. Thriller, Komödie, Horror), die bestimmte Konventionen mit sich bringt
Gewohnte Welt
Ausgangspunkt der Hauptfigur, bevor ein Ereignis sie aus ihrer Komfortzone zwingt
H
Handlung (Plot)
Die chronologische oder anachronische Abfolge der Ereignisse einer Geschichte
Held*in
Die Hauptfigur der Geschichte, die ein Ziel verfolgt und Hindernisse überwinden muss
Hindernisse
Herausforderungen, die der Protagonist überwinden muss, um sein Ziel zu erreichen
Horizontales Erzählen
Erzählweise, bei der sich eine Handlung über mehrere Episoden oder Staffeln entfaltet
I
Inciting Incident (Auslösendes Ereignis, Anstoß)
Der Moment, in dem die gewohnte Welt des Protagonisten ins Wanken gerät und die Hauptstory beginnt
J
Jump-Cut
Harte Schnitttechnik, um Zeit- oder Ortssprünge zu verdeutlichen und die Dynamik zu erhöhen
K
Klimax
Der emotional und dramaturgisch intensivste Moment, bei dem alle Handlungsstränge zusammenlaufen und die Spannung am höchsten ist, meist mit einem Showdown oder einer finalen Konfrontation zwischen Protagonist und Antagonist
Konflikt
Entsteht, wenn die Hauptfigur auf Hindernisse trifft, die ihr Ziel bedrohen (z. B. in Form eines Antagonisten, einer Situation, eines inneren Zwiespalts oder gesellschaftlichen Systems); die Suche nach einer Lösung des Konflikt zwingt zur Entscheidung
Konfrontation
Der zweite Akt im 3-Akt-Modell, in dem die Hauptfigur aktiv nach Lösungen für den im ersten Akt etablierten Konflikt sucht und auf wachsende Hindernisse stößt
Konzept
Eine Skizze der Filmidee und Vorstufe vom Drehbuch
L
Lineares Fernsehen
Klassisches Fernsehen mit festen Sendezeiten und Programmabläufen
Logline
Ein prägnanter Satz, der die gesamte Geschichte zusammenfasst und Neugier wecken soll
M
Midpoint
Optionaler Wendepunkt in der Mitte des zweiten Aktes, der manchmal eine unerwartete Enthüllung oder Richtungsänderung mit sich bringt
Montage
Eine Schnitttechnik, die genutzt wird, um Orte, Zeit, Entwicklungen oder Prozesse zu verdichten und visuell als zusammenhängendes Ganzes zu erzählen
Motiv
Ein wiederkehrendes Element (visuell, auditiv oder thematisch), das die Handlung, Stimmung oder Botschaft eines Films verstärkt; kann einzeln als Leitmotiv oder in einer Motivreihe auftreten
Motivation
Der Grund, warum eine Figur handelt, oft durch ihre Vergangenheit oder Bedürfnisse geprägt
Multiperspektivität
Erzählweise mit verschiedenen Blickwinkeln von Figuren oder Erzählinstanzen
N
Narration
Art und Weise, wie eine Geschichte erzählt wird – also wer erzählt, wie erzählt wird und in welcher Reihenfolge die Ereignisse präsentiert werden; entweder aus der Perspektive eines Erzählers oder über die Figuren selbst
O
Off
Etwas geschieht außerhalb des sichtbaren Bildausschnitts; Off-Screen (außerhalb des Bildes) → Ein Geräusch, eine Stimme oder eine Handlung ist nur hörbar, aber nicht sichtbar; Off-Text → Eine Erzählerstimme oder eine Figur spricht aus dem Hintergrund (VO – Voice Over: „Es war ein kalter Wintermorgen.”)
Originäre Stoffe
Eigenständige Geschichten, die nicht auf bestehenden Werken basieren
Outline
Detaillierte, aber noch nicht ausgeschriebene Übersicht der Story
P
Pilotfolge
Die erste Episode einer Serie, die Charaktere, Handlung und Ton etabliert und oft über die Weiterführung der Serie entscheidet
Pitch
Kurze Präsentation einer Idee für ein Film- oder Serienprojekt; mündlich vor Entscheidern wie Produzenten oder schriftlich als One-Pager oder Pitch-Paper
Plot-Point
Ein Wendepunkt, der als ein Hook bzw. eine Überraschung die Handlung verkompliziert; auch ruhige Szenen können entscheidende Wendepunkte enthalten
Prämisse
Grundannahme oder Essenz einer Geschichte, die die Verwandlung der Figur verdeutlicht; sie fasst Ausgangspunkt, Konflikt, Want, Need und Lösung in einem Satz zusammen (z. B. „Ein übervorsichtiger Vater muss lernen loszulassen, um seinen Sohn zu retten.“)
Protagonist
Hauptfigur, deren Handlungen die Geschichte vorantreiben
Q
Quotenmessung
Verfahren zur Erfassung der Zuschauerzahlen von TV-Formaten zur Bewertung von Marktanteilen
R
Requisite
Objekte oder Gegenstände, die für Szenen benötigt werden und oft dramaturgische Bedeutung haben
Rhythmus
Timing von Schnitten, Szenen und Dialogen, um eine gewünschte Wirkung zu erzielen
Rückblende (Flashback)
Erzähltechnik, um vergangene Ereignisse visuell oder erzählerisch in die Handlung einzuführen
S
Serienbibel
Ein ausführliches Dokument bzw. Blueprint der Serie mit Kurzinhalt, detaillierten Figurenbögen, Storylines, Staffelbogen, Tonalität, Weltbeschreibung, Themen, Referenzen und Zielgruppe; es dient als Leitfaden für Autor*innen und Produktion
Serienkonzept
Eine Präsentation der Serie mit Logline, Genre, Setting, Hauptfiguren und zentralen Konflikten, Inhalt der Pilotfolge, ggfs. gesamter Staffelbogen, Ausblick und Moods/Stimmungsbildern; es dient als Pitch-Grundlage
Setting (Schauplatz)
Ort, an dem eine Szene spielt; beeinflusst Stimmung und Kontext
Sequenz
Eine Reihe von Szenen, die thematisch oder narrativ zusammenhängen
Showrunner
Kreativer und organisatorischer Kopf einer Serie, der/die u. a. Drehbücher, Casting und Regie steuert und den Writers‘ Room gegenüber Sendern vertritt, um für reibungslose Abläufe im Budget- und Zeitrahmen zu sorgen
Spec Script
Drehbuch ohne direkten Auftrag, oft als Arbeitsprobe oder Verkaufsversion erstellt
Spielanweisung
Hinweise, die im Drehbuch in Klammern stehen und an Schauspieler und Regie zur Interpretation von Szenen gerichtet sind
Staffelbogen
Ein dramaturgischer Plan für eine gesamte Serienstaffel mit Höhepunkten und Cliffhangern in den einzelnen Folgen
Storyline
Haupthandlungsstrang eines Films oder einer Serie
Strukturmodelle
Narrative Muster wie Drei-Akt-Struktur oder Heldenreise, die eine Geschichte formen
Suspense
Spannungstechnik, bei der das Publikum mehr weiß als die Figuren
Szene
Kleinste Einheit eines Drehbuchs, spielt an einem Ort und in einer bestimmten Zeitspanne
T
Teaser (Prolog)
Einführungsszene zu Beginn einer Folge, die Spannung erzeugt und Interesse weckt
Thema
Die zentrale Idee oder Botschaft eines Films oder einer Serie
Treatment
Eine detaillierte Inhaltsbeschreibung eines Films oder einer Serienfolge, geschrieben in Prosa und im Präsens, jedoch ohne Dialoge
Tropes
Wiederkehrendes erzählerisches Muster, Motiv oder Konvention in Geschichten, die dem Publikum bekannt sind (Fish out of Water, Femme Fatale, Enemies to Lover, Verbotene Liebe, Liebesdreieck)
Twist
Unerwartete Wendung, die die Handlung verändert
U
Untertitel
Textbasierte Übersetzung oder Transkription von Dialogen, oft genutzt für internationale Filme
V
Vertikales Erzählen
Erzählweise, bei der Episoden oder Filme in sich geschlossen sind
Voice-Over
Erzähltechnik, bei der eine Stimme aus dem Off über das Geschehen spricht, ohne die sprechende Person zu sehen; oft für Erzählerstimmen, innere Monologe oder Kommentare genutzt
W
Wendepunkt
Dramatischer Moment, der den Handlungsverlauf entscheidend verändert; in einer Story existieren mehrere Wendepunkte, die sich über die Akte hinweg verteilen (z. B. an Anstoß, Plot-Points, Midpoint, Klimax)
Writers’ Room
Das kreative Team einer Serie, in dem Autor*innen gemeinsam Ideen entwickeln, Drehbücher schreiben und die Handlung über mehrere Episoden oder Staffeln hinweg planen; meist geleitet vom Showrunner oder Headwriter
Y
Young Adult Genre
Geschichten für ein junges Publikum mit Coming-of-Age-Themen
Z
Ziel (Want)
Das äußere, greifbare Ziel einer Figur, das ihren Handlungsantrieb bestimmt; es ist etwas Konkretes, das sie zu Beginn der Geschichte will (z. B. einen Job als Börsenmakler, einen Wettkampf gewinnen, die große Liebe erobern, ein Verbrechen aufklären) und das sich am Ende oft durch ein tieferes Bedürfnis bzw. Need verändert
Zeitraffer
Filmtechnik, um eine schnellere Zeitvergangenheit zu suggerieren
Zeitlupe
Filmtechnik zur Verlangsamung von Bewegung, um Dramatik oder Details hervorzuheben