DREHBUCH UND DRAMATURGIE – WICHTIGE BEGRIFFE VON A - Z

DREHBUCH UND DRAMATURGIE – WICHTIGE BEGRIFFE VON A - Z

Ob Newbie oder Profi – ein gutes Verständnis von Dramaturgie und formalen Standards kann den entscheidenden Unterschied machen. In diesem Glossar findest du die wichtigsten Begriffe von A bis Z kompakt erklärt.

Hinweis: Dieses Dokument wächst und gedeiht. Falls dir etwas fehlt oder du Inhalte ergänzen möchtest, hinterlasse mir gern eine Nachricht. Jede Anregung ist willkommen!

A

Akt

Größere narrative Einheit eines Drehbuchs, klassischerweise in drei Akte unterteilt (Exposition, Konfrontation, Auflösung)

Aktionstext

Beschreibung der sichtbaren Handlung, Umgebung und Aktionen der Figuren im Drehbuch

Anstoß

Auslösendes Ereignis bzw. Inciting Incident, das die Handlung in Gang setzt und den Protagonisten aus seiner gewohnten Welt reißt

Antagonist

Hauptwidersacher des Protagonisten, der dessen Ziel behindert und für Spannung sorgt

Archetypen

Urfiguren, die immer wieder in Geschichten auftreten (z. B. der Held, der Mentor, der Schatten, der Trickster)

Arthouse

Kunstfilme mit experimentellem Stil, tiefergehender Thematik und abseits des Mainstreams

B

Backstory

Vorgeschichte einer Figur, die ihr Verhalten und ihre Entscheidungen beeinflusst

Beatboard

Visuelle Darstellung der wichtigsten Handlungspunkte (Beats) eines Drehbuchs zur besseren Strukturierung

Bedürfnis (Need)

Innerer Antrieb oder verstecktes Defizit einer Figur, das sie im Verlauf der Handlung oft erst erkennt; universell, aber essentiell für die Figur (z. B. Nähe zulassen, Freiheit, Selbstbestimmung, Anerkennung, Stabilität, Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen)

Breakdown

Eine meist tabellarische Übersicht der Drehbuchszenen mit Kurzbeschreibungen

C

Character-driven

Geschichten, bei denen die Figurenentwicklung im Fokus steht, statt die äußere Handlung, z. B. in Serien

Cliffhanger

Dramatisches, offenes Ende einer Szene oder Episode/Folge, das Spannung erzeugt und zum Weiterschauen motiviert

Coming-of-Age

Meist ein Begleitgenre von Drama, Comedy, Fantasy oder Horror, bei dem Kinder oder Jugendliche als Hauptfiguren im Mittelpunkt stehen, die durch Erfahrungen und Selbstfindung langsam erwachsen werden und ihren Platz in der Welt finden

CONT’D

Hinweis im Drehbuch beim Dialog, wenn eine Figur direkt weiterspricht, nachdem eine Handlung sie kurz unterbrochen hat

D

Dialog

Gesprochene Zeilen der Figuren im Drehbuch, die die Handlung vorantreiben und die Stimme der Figuren definieren

Dramaturgie

Technik und Lehre von der Strukturierung und Inszenierung einer Geschichte, damit Handlung, Thema und Prämisse wirkungsvoll aufeinander abgestimmt sind

Dramedy

Genre-Mix aus Drama und Comedy, das ernste Themen humorvoll verpackt

E

Ellipse

Auslassung von Ereignissen oder Zeiträumen, um die Geschichte effizienter zu erzählen

Ensemble

Geschichten mit mehreren Hauptfiguren, die oft gleichwertige Handlungsstränge haben

Erzählzeit vs. erzählte Zeit

Unterschied zwischen der Dauer des Erzählens der Geschichte (z. B. Film dauert 2 Stunden) und der Zeitspanne, die innerhalb der Handlung vergeht (z. B. Handlung erstreckt sich auf 10 Jahre)

Exposé

Eine prosahafte Zusammenfassung eines Drehbuchs mit Fokus auf Story, (Haupt-)Figuren und Thema; die Länge variiert von drei bis hin zu fünfzehn oder sogar zwanzig Seiten

Exposition

Einführung in Figuren, Schauplätze und die Welt der Geschichte, oft in den ersten Szenen

F

Fallhöhe

Die Spanne zwischen der sozialen, materiellen oder emotionalen Ausgangslage einer Figur und den möglichen Konsequenzen für sie durch den Konflikt

Figurenbogen

Emotionale Entwicklung der Figuren über die Handlung hinweg, die deren innere und äußere Veränderungen aufzeigt; z. B. Motivation, Ziel (Want), Bedürfnis (Need)

Fish out of Water

Eine Erzähltechnik oder Trope, bei der eine Figur in eine ungewohnte Umgebung versetzt wird und sich dort zurechtfinden muss; die Dynamik schafft natürliche Konflikte, Humor oder Drama

G

Genre

Kategorie einer Geschichte (z. B. Thriller, Komödie, Horror), die bestimmte Konventionen mit sich bringt

Gewohnte Welt

Ausgangspunkt der Hauptfigur, bevor ein Ereignis sie aus ihrer Komfortzone zwingt

H

Handlung (Plot)

Die chronologische oder anachronische Abfolge der Ereignisse einer Geschichte

Held*in

Die Hauptfigur der Geschichte, die ein Ziel verfolgt und Hindernisse überwinden muss

Hindernisse

Herausforderungen, die der Protagonist überwinden muss, um sein Ziel zu erreichen

Horizontales Erzählen

Erzählweise, bei der sich eine Handlung über mehrere Episoden oder Staffeln entfaltet

I

Inciting Incident (Auslösendes Ereignis, Anstoß)

Der Moment, in dem die gewohnte Welt des Protagonisten ins Wanken gerät und die Hauptstory beginnt

J

Jump-Cut

Harte Schnitttechnik, um Zeit- oder Ortssprünge zu verdeutlichen und die Dynamik zu erhöhen

K

Klimax

Der emotional und dramaturgisch intensivste Moment, bei dem alle Handlungsstränge zusammenlaufen und die Spannung am höchsten ist, meist mit einem Showdown oder einer finalen Konfrontation zwischen Protagonist und Antagonist

Konflikt

Entsteht, wenn die Hauptfigur auf Hindernisse trifft, die ihr Ziel bedrohen (z. B. in Form eines Antagonisten, einer Situation, eines inneren Zwiespalts oder gesellschaftlichen Systems); die Suche nach einer Lösung des Konflikt zwingt zur Entscheidung

Konfrontation

Der zweite Akt im 3-Akt-Modell, in dem die Hauptfigur aktiv nach Lösungen für den im ersten Akt etablierten Konflikt sucht und auf wachsende Hindernisse stößt

Konzept

Eine Skizze der Filmidee und Vorstufe vom Drehbuch

L

Lineares Fernsehen

Klassisches Fernsehen mit festen Sendezeiten und Programmabläufen

Logline

Ein prägnanter Satz, der die gesamte Geschichte zusammenfasst und Neugier wecken soll

M

Midpoint

Optionaler Wendepunkt in der Mitte des zweiten Aktes, der manchmal eine unerwartete Enthüllung oder Richtungsänderung mit sich bringt

Montage

Eine Schnitttechnik, die genutzt wird, um Orte, Zeit, Entwicklungen oder Prozesse zu verdichten und visuell als zusammenhängendes Ganzes zu erzählen

Motiv

Ein wiederkehrendes Element (visuell, auditiv oder thematisch), das die Handlung, Stimmung oder Botschaft eines Films verstärkt; kann einzeln als Leitmotiv oder in einer Motivreihe auftreten

Motivation

Der Grund, warum eine Figur handelt, oft durch ihre Vergangenheit oder Bedürfnisse geprägt

Multiperspektivität

Erzählweise mit verschiedenen Blickwinkeln von Figuren oder Erzählinstanzen

N

Narration

Art und Weise, wie eine Geschichte erzählt wird – also wer erzählt, wie erzählt wird und in welcher Reihenfolge die Ereignisse präsentiert werden; entweder aus der Perspektive eines Erzählers oder über die Figuren selbst

O

Off

Etwas geschieht außerhalb des sichtbaren Bildausschnitts; Off-Screen (außerhalb des Bildes) → Ein Geräusch, eine Stimme oder eine Handlung ist nur hörbar, aber nicht sichtbar; Off-Text → Eine Erzählerstimme oder eine Figur spricht aus dem Hintergrund (VO – Voice Over: „Es war ein kalter Wintermorgen.”)

Originäre Stoffe

Eigenständige Geschichten, die nicht auf bestehenden Werken basieren

Outline

Detaillierte, aber noch nicht ausgeschriebene Übersicht der Story

P

Pilotfolge

Die erste Episode einer Serie, die Charaktere, Handlung und Ton etabliert und oft über die Weiterführung der Serie entscheidet

Pitch

Kurze Präsentation einer Idee für ein Film- oder Serienprojekt; mündlich vor Entscheidern wie Produzenten oder schriftlich als One-Pager oder Pitch-Paper

Plot-Point

Ein Wendepunkt, der als ein Hook bzw. eine Überraschung die Handlung verkompliziert; auch ruhige Szenen können entscheidende Wendepunkte enthalten

Prämisse

Grundannahme oder Essenz einer Geschichte, die die Verwandlung der Figur verdeutlicht; sie fasst Ausgangspunkt, Konflikt, Want, Need und Lösung in einem Satz zusammen (z. B. „Ein übervorsichtiger Vater muss lernen loszulassen, um seinen Sohn zu retten.“)

Protagonist

Hauptfigur, deren Handlungen die Geschichte vorantreiben

Q

Quotenmessung

Verfahren zur Erfassung der Zuschauerzahlen von TV-Formaten zur Bewertung von Marktanteilen

R

Requisite

Objekte oder Gegenstände, die für Szenen benötigt werden und oft dramaturgische Bedeutung haben

Rhythmus

Timing von Schnitten, Szenen und Dialogen, um eine gewünschte Wirkung zu erzielen

Rückblende (Flashback)

Erzähltechnik, um vergangene Ereignisse visuell oder erzählerisch in die Handlung einzuführen

S

Serienbibel

Ein ausführliches Dokument bzw. Blueprint der Serie mit Kurzinhalt, detaillierten Figurenbögen, Storylines, Staffelbogen, Tonalität, Weltbeschreibung, Themen, Referenzen und Zielgruppe; es dient als Leitfaden für Autor*innen und Produktion

Serienkonzept

Eine Präsentation der Serie mit Logline, Genre, Setting, Hauptfiguren und zentralen Konflikten, Inhalt der Pilotfolge, ggfs. gesamter Staffelbogen, Ausblick und Moods/Stimmungsbildern; es dient als Pitch-Grundlage

Setting (Schauplatz)

Ort, an dem eine Szene spielt; beeinflusst Stimmung und Kontext

Sequenz

Eine Reihe von Szenen, die thematisch oder narrativ zusammenhängen

Showrunner

Kreativer und organisatorischer Kopf einer Serie, der/die u. a. Drehbücher, Casting und Regie steuert und den Writers‘ Room gegenüber Sendern vertritt, um für reibungslose Abläufe im Budget- und Zeitrahmen zu sorgen

Spec Script

Drehbuch ohne direkten Auftrag, oft als Arbeitsprobe oder Verkaufsversion erstellt

Spielanweisung

Hinweise, die im Drehbuch in Klammern stehen und an Schauspieler und Regie zur Interpretation von Szenen gerichtet sind

Staffelbogen

Ein dramaturgischer Plan für eine gesamte Serienstaffel mit Höhepunkten und Cliffhangern in den einzelnen Folgen

Storyline

Haupthandlungsstrang eines Films oder einer Serie

Strukturmodelle

Narrative Muster wie Drei-Akt-Struktur oder Heldenreise, die eine Geschichte formen

Suspense

Spannungstechnik, bei der das Publikum mehr weiß als die Figuren

Szene

Kleinste Einheit eines Drehbuchs, spielt an einem Ort und in einer bestimmten Zeitspanne

T

Teaser (Prolog)

Einführungsszene zu Beginn einer Folge, die Spannung erzeugt und Interesse weckt

Thema

Die zentrale Idee oder Botschaft eines Films oder einer Serie

Treatment

Eine detaillierte Inhaltsbeschreibung eines Films oder einer Serienfolge, geschrieben in Prosa und im Präsens, jedoch ohne Dialoge

Tropes

Wiederkehrendes erzählerisches Muster, Motiv oder Konvention in Geschichten, die dem Publikum bekannt sind (Fish out of Water, Femme Fatale, Enemies to Lover, Verbotene Liebe, Liebesdreieck)

Twist

Unerwartete Wendung, die die Handlung verändert

U

Untertitel

Textbasierte Übersetzung oder Transkription von Dialogen, oft genutzt für internationale Filme

V

Vertikales Erzählen

Erzählweise, bei der Episoden oder Filme in sich geschlossen sind

Voice-Over

Erzähltechnik, bei der eine Stimme aus dem Off über das Geschehen spricht, ohne die sprechende Person zu sehen; oft für Erzählerstimmen, innere Monologe oder Kommentare genutzt

W

Wendepunkt

Dramatischer Moment, der den Handlungsverlauf entscheidend verändert; in einer Story existieren mehrere Wendepunkte, die sich über die Akte hinweg verteilen (z. B. an Anstoß, Plot-Points, Midpoint, Klimax)

Writers’ Room

Das kreative Team einer Serie, in dem Autor*innen gemeinsam Ideen entwickeln, Drehbücher schreiben und die Handlung über mehrere Episoden oder Staffeln hinweg planen; meist geleitet vom Showrunner oder Headwriter

Y

Young Adult Genre

Geschichten für ein junges Publikum mit Coming-of-Age-Themen

Z

Ziel (Want)

Das äußere, greifbare Ziel einer Figur, das ihren Handlungsantrieb bestimmt; es ist etwas Konkretes, das sie zu Beginn der Geschichte will (z. B. einen Job als Börsenmakler, einen Wettkampf gewinnen, die große Liebe erobern, ein Verbrechen aufklären) und das sich am Ende oft durch ein tieferes Bedürfnis bzw. Need verändert

Zeitraffer

Filmtechnik, um eine schnellere Zeitvergangenheit zu suggerieren

Zeitlupe

Filmtechnik zur Verlangsamung von Bewegung, um Dramatik oder Details hervorzuheben

Das könnte dich auch interessieren